Das N64 startete vor 30 Jahren mit nur 7 Spielen – eines davon hat in Europa nie jemand zu Gesicht bekommen
Wir schreiben das Jahr 1996 in Japan, 1997 in Europa. Das 2D-Zeitalter liegt in den letzten Zügen und eine neue, magische Kiste namens Nintendo 64 verspricht den Sprung in die dritte Dimension. Mit einem revolutionären Controller in der Hand war die Zukunft zum Greifen nah. Die Kehrseite der Medaille? Während wir heute zum Konsolen-Launch mit Spielen überschwemmt werden, war das Lineup damals eher überschaubar.
Gerade einmal eine Handvoll Titel standen zum Start bereit. Aber damals wie heute gilt: Qualität schlägt Quantität. Und genau diese wenigen Spiele sollten eine ganze Generation prägen. Begleitet uns auf eine kleine Zeitreise zurück in die Anfänge des Nintendo 64.
Eine Konsole wie von einem anderen Stern
Schon beim Auspacken des Nintendo 64 wurde klar: Hier begann etwas Neues. Die kantige, futuristische Konsole wirkte wie ein Blick in die Zukunft. Doch der wahre Blickfang war der Controller. Drei Griffe, ein Analogstick in der Mitte und zahlreiche Tasten sorgten zunächst für Verwirrung. Heute erscheint das selbstverständlich, doch Mitte der 90er war präzise Analogsteuerung auf einer Heimkonsole nahezu revolutionär.
Nintendo setzte zudem weiterhin auf Module, während Sony mit der PlayStation bereits auf CDs vertraute. Das hatte Vor- und Nachteile. Spiele luden praktisch ohne Wartezeiten, allerdings waren die Produktionskosten höher und die Speicherkapazität deutlich begrenzter. Dennoch ließ sich Nintendo davon nicht beirren und konzentrierte sich auf das Wesentliche: Spielerlebnisse, die man so zuvor noch nie gesehen hatte.
Super Mario 64: Der König betritt die dritte Dimension
Wenn von Launch-Titeln die Rede ist, führt kein Weg an Super Mario 64 vorbei. Für viele Spieler war es die erste Begegnung mit echter 3D-Bewegungsfreiheit. Plötzlich lief Mario nicht mehr nur nach links oder rechts. Er konnte springen, tauchen, klettern, Salti schlagen und riesige Welten erkunden.
Was heute selbstverständlich erscheint, war damals bahnbrechend. Nintendo schuf praktisch die Blaupause für moderne 3D-Plattformer. Die Kamera, die Steuerung und der Aufbau der Levels waren ihrer Zeit weit voraus. Wer 1997 zum ersten Mal die Gemälde in Schloss Peach betrat, wird dieses Gefühl wohl niemals vergessen.
Viele kauften sich das Nintendo 64 ausschließlich für dieses Spiel. Und niemand wurde enttäuscht.
Pilotwings 64: Freiheit über den Wolken
Neben Mario gehörte Pilotwings 64 zu den wichtigsten Titeln der ersten Stunde. Das Spiel war weniger spektakulär, zeigte aber eindrucksvoll die technischen Möglichkeiten der neuen Hardware.
Mit Gleitschirm, Raketenrucksack oder Gyrokopter ging es hoch hinaus. Ziel war es, verschiedene Flugprüfungen zu meistern und dabei präzise Manöver durchzuführen. Besonders beeindruckend waren die weitläufigen Landschaften, die ein Gefühl von Größe vermittelten, das man auf Konsolen bis dahin kaum kannte.
Pilotwings 64 war kein Actionfeuerwerk, sondern eher eine Demonstration dessen, was die dritte Dimension alles möglich machte.
Star Wars: Shadows of the Empire – Der Traum jedes Fans
Kurz nach dem Europa-Start erschien mit Star Wars: Shadows of the Empire ein weiterer Titel, der viele Spieler in seinen Bann zog.
Das Abenteuer rund um den Söldner Dash Rendar verband verschiedene Spielmechaniken miteinander. Besonders die berühmte Schlacht auf dem Eisplaneten Hoth sorgte für offene Münder. Mit dem Snowspeeder zwischen den gigantischen AT-AT-Läufern hindurchzufliegen fühlte sich beinahe so an, als würde man direkt Teil des Films sein.
Auch wenn das Spiel aus heutiger Sicht einige Schwächen besitzt, war es damals ein beeindruckendes Erlebnis und ein Paradebeispiel dafür, wie stark Lizenzspiele auf dem Nintendo 64 wirken konnten.
Wave Race 64: Wenn Wasser plötzlich lebendig wirkte
Wasserdarstellungen sind heute selbstverständlich, Mitte der 90er waren sie jedoch echte Technik-Wunder. Wave Race 64 zeigte eindrucksvoll, was möglich war.
Mit Jetskis raste man über dynamische Wellen, die sich realistisch verhielten und direkten Einfluss auf das Fahrverhalten hatten. Plötzlich war Wasser nicht länger nur eine flache blaue Fläche, sondern ein lebendiger Bestandteil des Gameplays.
Die Kombination aus Arcade-Action und anspruchsvoller Steuerung machte Wave Race 64 schnell zu einem Fan-Liebling und einem der technisch beeindruckendsten Spiele seiner Zeit.
Wenige Spiele, große Erinnerungen
Betrachtet man das Launch-Lineup aus heutiger Sicht, wirkt es fast unglaublich. Nur wenige Spiele sollten eine komplette Konsole verkaufen. Doch genau das gelang Nintendo.
Während moderne Konsolenstarts oft von einer Flut an Veröffentlichungen begleitet werden, war die Situation damals völlig anders. Man besaß vielleicht ein oder zwei Spiele und verbrachte Monate damit, jedes Geheimnis zu entdecken, jede Herausforderung zu meistern und mit Freunden die Highscores zu jagen.
Gerade diese intensive Beschäftigung machte die Erlebnisse so besonders.
Der Beginn einer neuen Ära
Das Nintendo 64 war nicht die meistverkaufte Konsole seiner Generation. Die Sony PlayStation gewann den kommerziellen Wettstreit deutlich. Dennoch hinterließ Nintendos 64-Bit-Konsole einen gewaltigen Fußabdruck in der Geschichte der Videospiele.
Mit Super Mario 64 definierte sie das 3D-Jump’n’Run neu, mit ihrem Analogstick setzte sie neue Standards für die Steuerung und mit Titeln wie Wave Race 64 oder Pilotwings 64 demonstrierte sie eindrucksvoll die Möglichkeiten einer neuen technischen Ära.
Für viele Spieler war das Nintendo 64 mehr als nur eine Konsole. Es war das Tor in eine völlig neue Welt. Eine Welt, in der Mario erstmals frei durch dreidimensionale Level sprang, in der Star-Wars-Schlachten zum Greifen nah wirkten und in der die Zukunft plötzlich im eigenen Wohnzimmer stand.
Und genau deshalb denken wir auch heute, fast drei Jahrzehnte später, noch immer mit einem Lächeln an diesen ganz besonderen Konsolenstart zurück.